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Habe ich ein Trauma, oder übertreibe ich ?

  • Für eine besondere Freundin, für meine Söhne, für alle Betroffenen-und für mich!

 

Wir befinden uns in einer interessanten Zeit des Umbruchs, und das in allen Bereichen des Lebens.

Ich bin ein Kind der 80er, und die Technik und deren Möglichkeiten haben sich seitdem rasant gesteigert.

Wenn ich daran denke wie teuer und klobig die ersten Computer waren, und die Inbetriebnahme glich noch einem Hexenwerk. Mein erstes Handy war ein hellblaues Nokia, und alles musste man extra zahlen. Mittlerweile hat eigentlich jeder ein Smartphone. Es ist erstaunlich wie mühelos Kinder den Umgang mit der ganzen Technik lernen. Wir neigen dazu, zu verurteilen wenn Kinder gut damit zurecht kommen, den wir gehen davon aus das es vom sehr frühen Medienkonsum herrührt. Das ist aber ein Vorurteil. Sie lernen durch zuschauen, genau so wie sie laufen lernen. Und sie brauchen es, den das Leben in das sie hinein wachsen, ist ein anderes als unseres. Es birgt ganz andere Herausforderungen.

Was natürlich nicht heißen soll, das es gut ist, wenn Kleinkinder das Handy zum spielen, oder zum einschlafen bekommen. Und vor allem sollte unser Fokus auf unseren Kindern liegen, nicht auf dem Handy!

 

Auch was Geburten angeht, ist eine enorme Wandlung von statten gegangen. Wo bei meiner Geburt noch kein Mann mit im Kreißsaal war, war das im Jahr 2000 kein Thema mehr. Aber der Kreißsaal erinnerte auch jetzt noch eher einem OP. Die Frauen mit Wehen lagen auf Liegen, in einem Zimmer neben einander aufgereiht, bis es los ging. So habe ich tatsächlich die Geburt meines ersten Kindes erlebt. 2 Jahre später habe ich in einem frisch renoviertem Entbindungszimmer entbunden. Alles fröhlich/freundlich und gemütlich. Auch was das Stillen und Schnuller angeht hat sich von 2000 bis 2020 viel getan. Ich habe in 20 Jahren, 7 Kinder geboren. Es fühlt sich an wie 2 Leben. Eine Geburt im Krankenhaus fühlt sich nicht mehr an, als wäre man krank. Sondern es darf jetzt als schönes, natürliches Erlebnis empfunden werden.

 

Um in der Medizin zu bleiben...

1980 bekamen Babys und Frühchen bei Operationen keine Narkose, nur ein Muskelrelaxans. Das ist einfach unvorstellbar, aber eben kein Relikt aus der Steinzeit. Wir hätten viel deutlicher lernen müssen, das wir nicht wissen können was Babys fühlen oder mit bekommen.

Aber bei Frühgeborenen ist noch viel Luft nach oben in der Entwicklung der Medizin und des menschlichem. Denn es gibt zwar alle möglich Fördermaßnahmen, aber an die Psyche dieses kleinen Wesens wird kaum gedacht. Legt euch mal über Wochen oder Monate in einen Inkubator und lasst euch verkabeln, bekommt Zugänge , Spritzen, Untersuchungen. Laute Geräusche und so viele fremde Hände, so wenig Nähe und Wärme. Manch ein Erwachsener würde ein Trauma davon tragen. Aber die Säuglinge... ach die erinnern sich da später gar nicht dran. Welch fatal falsche Einschätzung. Wie viele Frühchen entwickeln erst ab der Schulzeit Ängste und Defizite. Das Körpergedächtnis vergisst nichts!

 

Was Traumata betrifft- auch hier befinden wir uns in einer Entwicklung die längst überfällig war.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Gefühle eine überflüssige und störende Eigenheit des Menschen.

(Den Tieren sprechen wir Gefühle ja ohnehin ab.) Gefühle waren eine Schwäche die sich keiner erlauben durfte. In der Erziehung von Kindern galt Strenge und körperliche Züchtigung als das adäquate Instrument für die Anzucht ehrenwerter Mitglieder der Gesellschaft. Gefühle dagegen verweichlichten das Kind.

Dementsprechend ist es nicht weiter verwunderlich, das seelische Erkrankungen früher wohl eher dafür sorgten das man einen Exorzismus durchführte. Etwas später in der Zeit wurde man mit täglichen Elektroschocks geheilt. Denn wenn vom Menschen und seiner Persönlichkeit nichts weiter übrig blieb als ein willenloser Zombie, war das doch ein Erfolg. Die Depressionen oder anderweitiges Charakterschwaches Übel war ja ausgemerzt. Ansonsten könnte man ja mit einer Lobotomie nachhelfen, das Endergebnis war das selbe.

Welch ein Glück das wir medizinisch so weit gekommen sind. Aber bei weitem nicht weit genug.

Denn während Elektroschocks und Eisbäder nur noch in eher homöopathischen Dosen verschrieben wird, und niemand muss sich noch vor einer Lobotomie wie von Walter Freeman fürchten, so gelten Depressionen immer noch als Charakterschwäche. Viele seelische Erkrankungen werden als verrückt abgestempelt, und ADHS gibt es schlicht weg nicht.

Und Traumata? Ach stell dich nicht so an, ist doch lange her, und überhaupt übertreibt man doch maßlos.

Niemand hat nicht ein mulmiges Gefühl dabei zu zugeben das er an Depressionen leidet. Kaum ein Elternpaar redet frei darüber wenn das eigene Kind ADHS hat, denn das Kind muss nur erzogen werden. Auspowern, Zucker und Fleischfreie Ernährung zusammen mit hochdossiertem Omega 3 erledigen den Rest.

Ich kenne tatsächlich Menschen die vor Menschen mit Trisomie 21 Angst haben, und viele dieser ganz besonders herzlichen und ehrlichen Menschen, werden abgetrieben. Wer will schon ein unperfektes Kind! Und der Gesellschaftliche Anteil unter uns der in Wohngruppen ect. lebt, wird äußert argwöhnisch beäugt, und wenn etwas passiert, sind bestimmt diese Verrückten Schuld, denen kann man schließlich nicht über den Weg trauen.

 

Aber schauen wir den Tatsachen ins gnadenlose Gesicht. All diese Menschen sind nichts anderes als wir. Menschen! Ich dachte wir hätten gelernt das der perfekte Mensch nicht schlank, groß, blond und blauäugig sein muss?  All diese Menschen sind Kämpfernaturen, alles andere als schwach.

Depressionen denkt man sich nicht aus. Sie saugen dir alle Energie und Lebensfreude aus, und du kannst kaum etwas tun. Medikamente geben dir kein Glück zurück, eher fühlen wir nichts mehr, besser als traurig sein. Aber kein Leben das man sich wünscht!

Kinder mit ADS/ADHS- sie leiden still und stark. Sie hopsen nicht fröhlich durchs Leben. Sie merken genau das sie anders sind, das sie ausgegrenzt werden. Sie kämpfen darum es allen recht zu machen. Aber der Kampf ist meist aussichtslos. Sie leiden so lange, bis sie lieber gar kein Leben möchten, als ihr Schicksal weiter zu ertragen.

Menschen mit Traumata jeder Art sind nach außen hin so angepasst wie man sich das wohl wünscht, aber tief drinnen, oft selbst vom Leidenden selbst unbemerkt schwelt ein Krieg. Das Unterbewusstsein versucht Erinnerungen unter Verschluss zu halten, die frei gelassen, einen Menschen durchaus den Verstand kosten könnten.

Erlebnisse teils so grausam, das wir nicht mal drüber nachdenken wollen. Aber diese Menschen haben es erlebt. Sie haben überlebt. Und nur weil wir diese Qual nicht sehen, während sie ihr Leben meistern, und dabei lächeln, heißt es nicht, das es nicht da ist. Das diese Menschen nicht jede Minute kämpfen.

 

Wieviel Stärke besitzen also all diese Menschen, die wir verurteilen, belächeln oder gar herabsetzen?

So verdammt viel mehr Stärke und Charakter als so viele , die zuerst mit dem Finger drauf zeigen !

 

Wie wir also sehen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Zurück zu unseren Gefühlen die gerechtfertigt sind, und ernst genommen werden müssen. Unsere Gefühle gehören uns ganz allein. Niemand darf uns vorschreiben was wir fühlen, oder wie und wann wir fühlen. Jeder fühlt anders. Es gibt kein richtig oder falsch. Nur anders. Und dieses anders muss immer akzeptiert und geachtet werden !

 

Zurück zu mehr Mitgefühl und Akzeptanz für andere, aber angefangen bei uns selbst. Den Mut zu sagen, ich habe ein Kind mit ADHS, ich habe das Down Syndrom, ich habe ein Trauma, ich bin Autist, ich habe Depressionen oder lebe in einer Einrichtung.

Aber ich bin ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Ich bin ein liebenswerter Mensch. Ich habe Rechte, nicht mehr oder weniger als jeder andere. Ich bin Stark, den ich lebe nicht nur- ich überlebe!

 

Und vielleicht haben wir besonderen Menschen, wir atypischen Menschen die in kein Schema passen, mehr Charakterstärke als viele anderen!

Also lasst uns aufstehen, die Schultern straffen und den Kopf stolz erheben, den niemand hat das Recht uns Charakter oder gar eine Lebensberechtigung ab zu sprechen!

 

Ich bin stolz auf mich, auf meine besonderen Kinder, und alle besonderen Menschen auf dieser Welt.

 

Macht mit- seid stolz!!!

 

 

#Depressionen

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Kommentare: 1
  • #1

    Andrea (Dienstag, 20 Januar 2026 21:18)

    Habe in so einem Heim gearbeitet und viele schöne Erinnerungen daran. Ich mochte diese Arbeit sehr und war sehr traurig,als meine Gesundheit mich zwang, die Arbeit aufzugeben.