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Chronisch krank

Gestern war es soweit. Es hat mehrere Jahre gedauert, gestern überfiel es mich dafür mit Macht. Ich bin krank, chronisch krank. Es geht nicht mehr weg, es wird nicht mehr besser. Und es ist mittlerweile für mich nicht mehr zu verleugnen. Ich war tapfer, ich habe es mit Humor genommen, ich habe selten zu gegeben wie es mir wirklich geht. Ich habe gemacht und getan, über meine Grenzen hinaus. Oft weit darüber hinaus.

Jetzt hatte ich wieder einen Schub. Ich bin so müde, und kraftlos. Ich schlafe schlecht, meine Muskeln schmerzen. Ich musste einsehen das mein Leben jetzt so aussieht.

Das ist nicht im Fernsehen, nicht in einem Roman. Diese Frau, die plötzlich ihr Leben nicht mehr allein meistern kann, die Mutter die viel zu oft etwas nicht mehr kann, ein schlechtes Gewissen hat, sich quält, das bin ich.

Diskussionen mit den Kindern über Medienzeit enden in Tränen meinerseits, denn ich bin so erschöpft. Essen kochen nur noch mit einfachen schnellen Gerichten machbar. Das nötigste an Haushalt bringt mich an meine Belastungsgrenze. Ca, jede halbe Stunde heißt es Pause. 50-60% des Tages liege ich im Bett.

Spielbesuch der Kinder geht nur noch an Tagen, an denen Axel zuhause ist. 

Lange habe ich es vor mir selbst verleugnet. Habe es nach außen schön geredet. Aber ganz ehrlich? Ich kann nicht mehr. Ich möchte eine Eltern Assistenz beantragen, die brauche ich dringend. Ich muss lernen nach außen offen mit meinem Befinden um zu gehen, aufhören immer alles zu maskieren.

Ich habe Angst. Wie lang kann ich zumindest noch das nötigste leisten? Nicht das nötigste für mich. Das nötigste für meine Großfamilie! 

Warum gehöre ich zu den Erkrankten die es schwerer getroffen hat? Wie soll ich damit umgehen? Ehrlich, ich muss ehrlich sein, zu mir , zu anderen. Aber wenn man es ausspricht wird es wahr, dann gibt es kein zurück mehr. 

Zurück kann ich aber ohnehin nicht mehr. 

Ich brauche eine Elternassistenz

Ich brauche meine Haushaltshilfe

Ich brauche ein Pflegebett

Ich brauche einen Pflegerollstuhl

Ich brauche soviel, vor allem viel Akzeptanz von mir für mich.

Nur wenn ich ehrlich damit umgehe wie es mir geht, können andere akzeptieren wie es mir geht.

Wenn man es sehen würde, wäre es einfacher. Aber man sieht es nicht.

Ich fühle mich betrogen und beraubt.

Aber nur wenn ich meine Krankheit wirklich annehme, ohne Schönrederei, kann ich das wirklich schöne im Leben wieder genießen.

 

Also ihr Lieben,

hier bin ich. Wenn ihr mich sucht, ich bin nicht weit. Ich bin krank, müde und erschöpft. 

Ich bin nicht mehr, wer ich war. Ich bin nicht wer ich sein will. Aber ich bin noch da, und immer noch so viel!

Wenn ich aus den Fragen die ich nicht zu Ende gebracht habe etwas gelernt habe: Wenn ich mich finden will, muss ich suchen wer ich wirklich bin, nicht wer ich sein will!

Ich darf nicht wütend auf das sein was nicht mehr geht, ich muss entdecken was noch möglich ist.

Und eines weiß ich genau, meine Jungs finden es nicht schlimm. Sie kommen zu Mama ins oder ans Bett, zum kuscheln und reden. Zum kitzeln und Spaß haben. Mama ist immer da! Was kann wertvoller sein?

 

Liebt euch, wie ihr wirklich seid. Und passt auf euch auf!

 

 

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