Früher normal heute No-Go, und doch war früher alles besser?
Es gab Zeiten da war es normal den Kinderwagen samt Kind einfach in den Kofferraum zu stellen oder das Kind auf dem Schoß mit fahren zu lassen. Heute, zum Glück undenkbar. Aber wo damals der Römersitz als super sicher galt, so muss es jetzt doch der Reboarder sein.
Früher haben Kleinkinder am Familientisch schon früh alles vom Tisch in den Mund geschoben bekommen, während heute Säuglingsnahrung eine Wissenschaft für sich ist, und man für Kleinkinder am besten einen Kochkurs belegt. Das obligatorische Brötchen das damals Kinder im Kinderwagen in der Hand hatten ist verpönt. Weißmehl und Zucker. Wie kann man nur.
Früher haben Kinder einen Schluck Saft in die Flasche bekommen, aber zum Essen gab es nichts zu trinken, den dann isst man nicht mehr. Heute gibt es bitte nur Wasser, und gefühlt schleppen unsere Kinder überall eine Wasserflasche mit sich herum damit sie auch genug trinken.
Damals waren wir oft den ganzen Tag draußen, kein Handy, keine Smartwatch. Unsere Eltern wussten oft nicht genau wo wir mit wem, was spielen. Heute sind unsere Kinder rundum überwacht.
Es gab Zeiten da haben wir die Klamotten und auch Schuhe unserer Geschwister aufgetragen, heute tragen Kinder am besten nur Barfußschuhe und nahtfreie Biobaumwolle.
Und über Medien kann man einen Roman schreiben. Alle meine Freunde von Früher, hatten den Fernseher schon vor der Schule laufen. Man sollte meinen sie wären allesamt verblödet. Aber nein, die meisten sind kompetente Erwachsene geworden. Unsere Kinder sind jetzt schon so versiert im Umgang mit Technik und Medien, das schon mein 8jähriger mir am Handy weiter helfen kann. Und doch schämt man sich fast, wenn sein Kind das kann. Bedeutet es doch das es Kontakt zu den bösen Medien, Handys und PCs hat.
Frühere Zeiten gelten oft, nostalgisch betrachtet, als besser. Auf der anderen Seite, waren Dinge normal, das man sich wundern muss das wir vernünftige Erwachsene geworden sind.
Ich finde das Thema extrem spannend. Aber immer drängt sich mir ein Gedanke auf.
Zu jeder Zeit verteufeln wir gern den Fortschritt, und verherrlichen die früheren Zeiten. Gleichzeitig wollen wir bei unseren Kindern fast verzweifelt, alles optimieren.
Früher waren Kinder frei. Sie waren nicht überwacht, sie hatten keine durch getacktete, fördernde Freizeitgestaltung. Sie haben Kekse und Limonade gegessen, und mindestens bei Oma den Fernseher heiß laufen lassen.
Heute gibt es so viele Über Eltern. Alles wird geplant, optimiert und kontrolliert. Das Baby hört im Bauch schon Bach, und die werdende Mutter ernährt sich von teuren Vitamin Produkten, grünen Smoothies und veganen Mahlzeiten. Ist das Baby auf der Welt wird nichts dem Zufall überlassen. Kind trägt nur Bio Baumwolle. Isst nur zuckerfreie Dattelkekse. Bloß keine Medien, wenn nur sorgfältig ausgewählte Lern Apps, nur unter Kontrolle der Eltern und die Zeit wird akribisch eingeteilt. In Pfützen darf nicht gesprungen werden, wegen unzähliger Bakterien. Und damit das Kind genau weiß das es berechtigt ist, Gefühle zu haben, gibt es bunte Affirmationskärtchen, auf denen der bunte Löwe dir sagt, du darfst wütend sein!
Im Kindergarten wird genau geprüft wie oft Fleisch, oder lieber vegetarisches Essen ausgeteilt wird. Und die Brotzeit Dose gleicht einem super gesunden Abenteuer Spielplatz. Brot wird in hübschen Formen ausgestochen. Die Gurke kommt als Schlange daher und Obsthäppchen gibt es mit bunten Spießen. Aber aus Pappe, Plastik sammelt sich im Körper an.
Die meisten Kinder heute sind nicht mehr frei. Sogar der Stuhlgang wird katalogisiert. Es wird akribisch kontrolliert und optimiert was Kind trägt, isst und macht. Und doch scheinen Kinder so oft krank zu sein wie nie zu vor. Und die Überforderung samt Depressionen und Essstörung kommt immer früher.
Aber der Feind der Kindheit sind die Medien. Sehe ich anders. Ja ich oute mich. Diese Bullerbü unter der Glasglocke, wo im Babyzimmer schon eine Kamera hängt Mentalität nervt mich so dermaßen.
Macht aus Kindern keine Wissenschaft. Und seit nicht so über ängstlich. Lasst die Kinder wieder frei aufwachsen. Mit einem normalen Mix aus gesund, ungesund, Medien, Sportvereinen und freier Zeit.
Kinder brauchen keine Affirmationskärtchen, nur die Erlaubnis und die Freiheit zu erleben und zu fühlen.
Was kommt bei dieser Erziehung raus? Junge Erwachsene die anfällig für psychische Krankheiten sind, und nicht wissen ob sie Mann, Frau oder Trans sein sollen.
Eine ausgewogene Mischung aus Früher und heute. Eigentlich fühle ich mich jung, meine Jungs sind tolle Erwachsene geworden. Aber im Gespräch mit den jungen Eltern fühle ich mich alt und ich bin erschöpft.
Es gleicht wohl einem Wunder das meine Großeltern, meine Eltern und meine Generation vernünftige Erwachsene wurden. Vor allem die Großeltern, sie wuchsen im Krieg auf, aber sie waren nicht allesamt arbeitsunfähig wegen psychischer Probleme. Sie haben Trümmer geschleppt und angepackt. Heute wird nur noch gestreikt und an geklebt.
Obwohl, wir sind ja nicht vernünftig, wir gaben unseren Kindern Zucker und Saft, und haben mit unserer Art zu Leben den Klimawandel herbei geführt, und die Zukunft der Leute zerstört, die ohne Kärtchen nicht wüssten das sie auch mal wütend sein dürfen.
Jeder muss sich sein eigenes Bild machen und so Leben wie er will. Aber das ist kaum noch möglich, so genau wird vor allem die Kinder Erziehung beäugt und bewertet.
Die Menschen sind nicht mehr frei. Sie waren es mal. Damals als Depressionen noch keine Mode Krankheit waren.
Ich möchte frei sein, und meine Kinder auch.
Meine Kinder leben eine Mischung aus Bäume klettern, Zucker und gesundes, Medien und freie Gefühle. Und sie sind glücklich !
Wenn unsere Kinder wieder freier sein dürften, wären Eltern nicht mehr so gestresst, zwischen Job, des optimieren der Kindererziehung, backen von Zuckerfeien Vollwert Plätzchen, und viel zu wenig Zeit für sich selbst.

Kommentar schreiben